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Vergleich zwischen NetApp und dem neuen Zusammenschluss aus EMC und Dell Technologies
Larry Freeman
Larry Freeman
Senior Technologist, NetApp

Vor ein paar Jahren habe ich in einem Blog-Beitrag, der sich später großer Beliebtheit erfreute, einen Vergleich zwischen NetApp und EMC gezogen – zwei Unternehmen, die seit Jahren miteinander um die Gunst der Storage-Einkäufer konkurrieren.

Nachdem nun die Übernahme von EMC durch Dell abgeschlossen ist, wird das neue konsolidierte Unternehmen sicher für einen Umbruch in den Denk- und Kaufgewohnheiten der IT-Abteilungen weltweit sorgen. Vor diesem Hintergrund habe ich den ursprünglichen Vergleich zwischen NetApp und EMC aktualisiert und um meine Ansichten über die grundlegenden Philosophien von Dell ergänzt. Ich habe auch einige Kommentare berücksichtigt, die von treuen NetApp Verfechtern, glühenden EMC Fans und anderen, etwas neutraleren Lesern zum ursprünglichen Blog-Beitrag abgegeben wurden.

Das Grundprinzip ändert sich nicht: EMC ist auf Mainframes ausgerichtet, Dell auf PCs, NetApp auf offene Systeme

EMC wurde 1979 gegründet und machte sich durch das Design von Platinen für den Arbeitsspeicher von IBM Mainframes einen Namen. Im Jahr 1990 führte EMC für diese Mainframes das Storage-System Symmetrix ein. Als Mainframes nicht mehr gefragt waren und Server für offene Systeme ihren Platz einnahmen, wandelte EMC sein Symmetrix in ein offenes Storage-System für Unix und Windows Server um. Die nachfolgenden Storage-Produkte von EMC – CLARiiON, Celerra, Centera, VMAX, VNX und VNXe (jetzt Unity), Isilon und XtremIO – folgten alle derselben Enterprise-Designphilosophie und waren auf dieselben großen Kunden ausgerichtet.

Dell wurde 1984 von Michael Dell als PC’s Limited gegründet. Das Unternehmen verkaufte benutzerdefiniert angepasste PCs über Werbeanzeigen in Computerzeitschriften an frühe Fans. Nach und nach erweiterte Dell seine Produktlinie, wurde zum verbraucherorientierten Online-Händler und perfektionierte sein Liefermodell, bis das Unternehmen zur weltweiten Autorität für die Lieferung im Rahmen einer Lieferkette wurde. Im Jahr 1994 betrat Dell mit den PowerEdge Servern den Markt für Unternehmenskunden, forderte damit Anbieter wie Compaq, HP und IBM heraus und erweiterte sein Geschäftsmodell für kostengünstige Produkte mit geringer Marge und hoher Effizienz.

NetApp wurde 1992 ins Leben gerufen. Etwa zu dieser Zeit wandte sich EMC gerade den offenen Storage-Systemen zu und Dell dem Markt für x86-Server. NetApp begann bei null und entwickelte ein Netzwerk-Storage-System speziell für Unix und Windows Applikationen. Mit seinem abgespeckten Design schuf NetApp eine frühe Basis aus loyalen Kunden, die diese speziell entwickelten Storage-Systeme für Unternehmen aufgrund ihrer Unkompliziertheit und Effizienz zu schätzen wussten. Auf frühen NetApp Anzeigen war oft ein Toastersymbol abgebildet, das die Unkompliziertheit, Schnelligkeit und Zuverlässigkeit der NetApp Storage Appliances unterstreichen sollte.

Viele Leser, die meinen ursprünglichen Beitrag kommentiert haben, waren mit meiner Charakterisierung von EMC nicht einverstanden. Einer von ihnen schrieb sogar, viele Benutzer würden genau die Eigenschaften positiv bewerten, die ich negativ fand. Ich wollte nicht implizieren, dass ein bestimmter Ansatz unbedingt besser ist als ein anderer, sondern nur, dass die Wurzeln eines Unternehmens seine Philosophie für den Rest seines Lebens beeinflussen. Diese Philosophie wiederum gibt unter Umständen vor, in welche Umgebung die Produkte eines Unternehmens am besten passen, wie dieser Kundenkommentar bestätigt:

„Ich war Storage-Kunde bei HP, EMC, EqualLogic, Sun und jetzt NetApp. NetApp ist ganz klar die beste Wahl für meinen Arbeitsbereich der stark virtualisierten offenen Systemumgebungen.“

EMC: für jede Aufgabe ein anderes Tool – NetApp: ein integrierter Ansatz für viele Aufgaben – Dell: das kostengünstigste Tool verkaufen

EMC erkannte, dass nicht jeder Kunde ein Produkt der Symmetrix Klasse benötigte (oder es sich leisten konnte) und erweiterte sein Storage-Portfolio im Lauf der Zeit durch die Übernahme der größeren Storage-Produktlinien von Data General (1999), Data Domain (2009), Isilon (2010) und XtremIO (2012). Dementsprechend unterstützt EMC jetzt fünf größere Storage-Plattformen und Betriebssysteme: VMAX, Isilon, Data Domain, VNX (Unity) und XtremIO. EMC hat einen auf Silos beruhenden Storage-Ansatz, bei dem jede Storage-Plattform für bestimmte Workloads konzipiert ist. Überschneidungen sind nicht vorgesehen.

Dell beschloss 2011 nach der Übernahme von EqualLogic (2007) und Compellent (2011), eine eigene Storage-Marke aufzubauen. Dell bietet viele verschiedene Storage-Systeme an, darunter die NAS-Appliances NX und FS, die SAN-Appliances MD, PS und SC, die Backup-Appliances der DL Produktfamilie und mehrere Storage-Racks mit Serveranbindung (JBOD). Diese Produkte sind wie bei EMC Silos, die für bestimmte Workload-Anforderungen oder serverzentrierte Einkäufer entwickelt wurden. Im Gegensatz zu EMC richtet sich Dell jedoch an Kunden mit begrenztem Budget.

NetApp hat schon immer viel Wert auf einfache, modulare Designs gelegt. Das erste Beispiel dafür war die ursprüngliche „Toaster“-Appliance. Heute setzt NetApp diese Vision mit der Data-Fabric-Strategie fort, einem softwaredefinierten Ansatz für das Datenmanagement, mit dem Unternehmen heterogene Datenmanagement- und Storage-Ressourcen miteinander verbinden und das Datenmanagement zwischen lokalem Storage und Cloud Storage optimieren können. Jedes NetApp Storage-System, ob NAS-, SAN- oder objektbasiert, soll sich in dieses gemeinsame Framework einfügen, das eine schnelle und einfache Verschiebung von Daten vom Datacenter in die Public Cloud und umgekehrt ermöglicht.

Einige Leser des ursprünglichen Blog-Beitrags haben sich für den Ansatz von EMC und Dell mit ihren unterschiedlichen Produktlinien ausgesprochen. Viele der Kommentierenden scheinen jedoch den Mehrwert der relativen Unkompliziertheit des NetApp Ansatzes zu sehen:

„Durch einige Übernahmen von EMC im Storage-Bereich sind Überschneidungen und Redundanzen im Produktangebot entstanden. Aus Kundensicht ist viel Spezialwissen zu jedem einzelnen Produkt erforderlich, um alle Produkte managen zu können […]. NetApp scheint effiziente Geschäftsentscheidungen zu treffen, indem es Produkte auswählt, die ein ähnliches Portfolio erweitern, ohne dass Redundanzen und Überschneidungen entstehen.“

EMC und Dell fördern ihr Wachstum durch breit aufgesetzte Übernahmen, während NetApp auf Wachstum durch interne Innovationen und gezielte Übernahmen setzt.

EMC hat in den vergangenen zehn Jahren mehr als 50 Unternehmen übernommen – umgerechnet alle 75 Tage eine Übernahme. Daraus wird ersichtlich, dass EMC seinen Produktumfang und seine Wettbewerbsfähigkeit vor allem durch Übernahmen vorantreibt. Ich erinnere mich an kaum ein Produkt, das EMC in diesem Jahrhundert ganz alleine entwickelt hat.

Dell hat seit der Rückkehr von Michael Dell als CEO im Jahr 2007 mehr als 15 Milliarden US-Dollar in die Übernahme von 30 Unternehmen investiert. Im Jahr 2013 kaufte Michael Dell das Unternehmen für 25 Milliarden US-Dollar zurück. Das „weltgrößte Start-up“ begann sein neues privates Leben mit der Ankündigung des 300 Millionen US-Dollar schweren Dell Ventures Fonds, der in frühe und wachsende Unternehmen aus neuen Technologiebereichen wie Storage, Cloud-Computing, Big Data, Datacenter der nächsten Generation, Sicherheit und Mobilität investiert.

NetApp hat seit dem Jahr 2000 nur 13 Übernahmen durchgeführt – etwas weniger als eine pro Jahr. Jede dieser Übernahmen diente der Stärkung des Kerngeschäfts der Enterprise-Storage-Arrays. Durch die Übernahmen erhielt NetApp jeweils benötigte Technologie zur Unterstützung der internen Bemühungen, die für den Großteil des Umsatzes, der Innovationen und der produktbezogenen Wettbewerbsfähigkeit von NetApp gesorgt haben. Ein Beispiel: Für ONTAP, das von NetApp selbst entwickelte Vorzeigeprodukt im Bereich Datenmanagement-Software, wurden zwischen 1992 und 2013 mehr als 1.500 Patente angemeldet.

Das Thema „Übernahmen“ wurde in den Kommentaren zu meinem ursprünglichen Beitrag häufig aufgegriffen.

Ein Leser merkte an:

„Interne Innovation ist zwar begrüßenswert, aber es gibt weltweit so viele intelligente Menschen, dass technologische Durchbrüche ganz sicher nicht nur intern generiert werden können.“

Mit der neuesten Übernahme, SolidFire, hat NetApp bewiesen, dass wir uns dieser Tatsache bewusst sind. Ein Analyst schrieb dazu:

„Mit dieser [Scale-Out]-Architektur hat NetApp im Bereich des primären Storage einen soliden Einstieg hingelegt. Durch ein kluges Management sollte NetApp dies als sehr guten Ausgangspunkt für die Erfüllung künftiger Storage-Anforderungen in den kommenden fünf Jahren nutzen können.“

Für EMC und Dell sind Datenmanagement-Produkte nur eines von vielen Segmenten, während NetApp nur dieses Segment hat

EMC generiert seinen Umsatz aus einem Verbund an Unternehmen, zu dem derzeit die EMC Informationsinfrastruktur, die VMware Infrastruktur, Pivotal und Virtustream gehören. Datenmanagement-Produkte (zum Segment der Informationsinfrastruktur zählend) machen weniger als 50 Prozent des gesamten Jahresumsatzes von EMC aus.

Dell hat in seinem letzten Quartalsbericht einen Gesamtumsatz von 14,9 Milliarden US-Dollar ausgewiesen, wovon Enterprise-Storage-Produkte mit 432 Millionen US-Dollar gerade einmal drei Prozent ausmachen. Obwohl sich Dell selbst als einen der größten integrierten IT-Anbieter der Welt positioniert, liegt der Umsatz aus Datenmanagement-Produkten bei Dell hinter allen anderen integrierten IT-Anbietern.

NetApp generiert seinen Umsatz aus nur einer einzigen Quelle: Software und Systeme für das Enterprise-Datenmanagement. Die gesamten F&E-Ausgaben von NetApp dienen zur Sicherstellung, dass Unternehmen weltweit sich auch weiterhin auf NetApp verlassen können, wenn es um erstklassige Software, Systeme und Services zum Managen und Speichern von Daten lokal und in der Cloud geht.

Die Übernahme von EMC durch Dell mag nun abgeschlossen sein, doch die Fragen, die bei der ersten Ankündigung des Geschäfts aufkamen, sind noch immer unbeantwortet. Kunden und Partner haben in vielen Bereichen weder Klarheit noch genaue Zeitpläne: Welche sich überschneidenden Produkte werden verkauft oder ganz eingestellt? Was wird aus dem EMC Unternehmensverbund? Kann Dell seine Lieferkettenfähigkeiten erfolgreich auf EMC anwenden und wie wird sich dies auf die Preise auswirken? Eines ist sicher: Dell wird unter großem Druck stehen, seine enormen Schulden zu bedienen. Ob dies zu mehr Verkäufen, Abschreibungen und Entlassungen führt, wird sich zeigen.

Das Geschäft ist abgeschlossen und es wird sicherlich neue Meinungen geben, wenn das neu entstandene Unternehmen versucht, in der schnelllebigen IT-Welt eine Identität zu entwickeln. In den Kommentaren können Sie mir mitteilen, was Sie von der Fusion halten. Welchen Einfluss wird der neue Zusammenschluss aus EMC und Dell Technologies vermutlich auf Ihre IT-Kaufentscheidungen haben?

Weitere Informationen:

Tech ONTAP Newsletter – monatliche umfassende Einblicke in NetApp Technologien
NetApp Hybrid Cloud Solutions – Überblick von Silverton Consulting
Storage Performance Primer – von NetApp Performance Engineering

November 2016

 
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